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DVM Dagmar Kriegler
VDSV Verbandstierarzt

Stomoxys calcitrans

Jeden Sommer in den Monaten Juli, August und auch noch im September, kann man quer durch Deutschland in fast allen Schlittenhundehaltungen das gleiche klinische Bild beobachten. Etwa 1/3 der gehaltenen Hunde weisen Veränderungen an den Ohren auf. Entweder sind bei den stehohrigen Hundetypen der Ohrspitzenbereich betroffen, oder bei den schlappohrigen Typen der Bereich der Ohrfalte.
Die Hunde weisen in den veränderten Ohrbezirken verschorfte, verkrustete oder haarlose Stellen auf. Sie sind unruhig, kratzen sich und es gibt Sekundärinfektionen. Verursacher dieser Veränderungen sind Stechfliegen, die der Unterfamilie Stomoxyinae zugeordnet werden.
Die der Gattung Stomoxys angehörenden Stomoxys calcitrans (LINNAEUS, 1758) zugehörende Fliege wird auch als Wadenstecher bezeichnet.
Sie ist eine etwa 4 - 7 mm lange, weltweit verbreitete standorttreue, mit dem Menschen lebende Fliege mit einem waagerecht abstehenden Stechrüssel und grauschwarz geflecktem Abdomen. Die Flügel stehen im großen Winkel vom Körper ab.
Sie kommt vor allem in Stallungen, besonders in Rinderställen, vor, hält sich in der warmen Jahreszeit im Freien auf und dringt vor allem im Herbst in menschliche Wohnungen ein. Sie wird als wirtstreue Fliege beschrieben, die in Europa vor allem Rind und Pferd, aber auch den Menschen befällt.
Unsere Untersuchungen in verschiedenen Hundezwingern in ganz Deutschland haben gezeigt, dass auch Hunde, in unserem Fall insbesondere Schlittenhunde, zum Wirtsspektrum von Stomoxys calcitrans zählen.
Beide Geschlechter von Stomoxys calcitrans nehmen Blutnahrung auf Die Blutaufnahme dauert etwa 3 - 4 Minuten; dabei wechseln die Fliegen jedoch mehrfach die Stichstellen. Bevorzugte Stichstellen sind im Gegensatz zu anderen Wirtstieren beim Hund eindeutig die Ohren.
Bei dicht behaarten nordischen Typen wählen die Fliegen die Ohrspitzen, weil sie dort am leichtesten durch die kurze Behaarung und die weiche Haut die kleinen Blutgefäße zur Nahrungsaufnahme erreichen (Arteria und Vena auricularis und ihre Äste).
Bei den schlappohrigen Hundetypen erfolgt die Nahrungsaufnahme im Bereich des Ohrknicks oder der Ohrfalte. In diesem Areal ist die Haut sehr weich, die Blutgefäße verlaufen direkt unter der Haut und die Beweglichkeit des Ohres ist eingeschränkt. Der schlappohrige Hundetyp kann die Fliegen an den Ohrspitzen durch Schütteln leichter abwehren, aus diesem Grund plazieren sich die Fliegen auf der Ohrfalte.
Die Legerate der weiblichen Fliegen wird mit 600 - 800 Eiern angegeben. Die Eier werden nach mehreren Blutmahlzeiten in Gelegen von 60 - 100, maximal 270 Eier/Gelege abgesetzt. Das Temperaturoptimum der ausgewachsenen Fliegen liegt zwischen 27 - 30 Grad C. Über 42 Grad C und unter 10 Grad C werden die Wadenstecher inaktiv. Bevorzugte Brutplätze und Medien sind Haaransammlungen, faulende Pflanzenstoffe, sowie Stroh- oder Heureste, aber auch Futterreste eignen sich, ebenso Kot-Erde-Gemische. Die Larven benötigen für ihre Entwicklung ein Temperaturoptimum von 22 - 28 Grad C. Die Entwicklungszeit wird durch äußere Einflüsse mitbestimmt und dauert zwischen 14 und 37 Tagen.
Die Überwinterung der Fliegen erfolgt hauptsächlich im Puppenstadium, es kann aber auch Überwinterungen von mobilen erwachsenen Fliegen geben, wenn die Temperaturen über 9 Grad C liegen.
Die Lebensdauer der Stomoxys calcitrans schwanken zwischen 14 und 70 Tagen.
Worin liegt die Bedeutung oder Schadwirkung der Fliegen:
  - in einer hochgradigen Belästigung der Hunde (Tiere sind unruhig, nervös),
  - in einer Übertragung von Krankheitserregern,
  - in ihrer Eigenschaft als Zwischenwirt für Würmer.
Stomoxys calcitrans bringen ihren Wirten schmerzhafte Stiche bei und entziehen ihnen bei Massenbefall nicht unerhebliche Blutmengen. Die täglichen Nahrungsmengen werden für Stomoxys calcitrans mit 16,5 mg Blut beim Weibchen und 9,5 mg beim Männchen angegeben, die in 2 "Mahlzeiten" aufgenommen werden.
Bei der Verschleppung von Krankheitserregern in Form von Viren, Bakterien, Pilzen und auch protozoären Erregern kommt Stomoxys calcitrans eine nicht unerhebliche Rolle zu, so kommen z. B. E. coli. Salmonellen, Listerien, Borrelia-Spezies u. a. durch die Stechfliegen übertragen werden.
Eine entscheidende Rolle spielt die wirksame Bekämpfung der Fliegenpopulation. Einerseits zielt sie auf die Vernichtung der ausgewachsenen Fliege, andererseits muss den Entwicklungsstadien die Brutstätte genommen werden. Eine gute Haltungshygiene ist eine wirksame Schutzmaßnahme zur Verringerung der Fliegenpopulation.
Eine Bekämpfung ist durch eine gute Beobachtung möglich. Als wirksame Ektoparasitenmittel empfehlen sich die Pyrethrine bzw. Pyrethroide, wie Permethrin und Cypermethrin.
Für den Hund steht als permethrinhaltiges Medikament "Ex-spot" von der Firma Essex zur Verfügung. Damit kann man die Ohrspitzen mit 1-2 Tropfen beträufeln, muss dies aber im etwa 7-tägigen Abstand wiederholen (Fliegenpopulation beobachten). Wirksam ist ebenfalls "Wellcare Emulsion für Pferde", auch auf Permethrinbasis, welche auf die Ohrspitzen oder die Ohrfalte gestrichen wird, aber ebenso wie "Exspot" etwa alle 7 Tage neu verwendet werden muss.
Ein weiteres permethrinhaltiges Präparat ist Stomoxin MO(Essex). Die größte Wirkstoffkonzentration findet sich in "Exspot" für Hunde. Wichtig beim Einsatz von Ektoparasitenmitteln ist, dass bei ersten Anzeichen einer Resistenz die vorgeschriebene Dosierung des eingesetzten Mittels nicht erhöht oder der Zeitraum zwischen aufeinanderfolgenden Bekämpfungsaktionen nicht verkürzt wird. Dadurch wäre die Resistenz nicht zu brechen, sondern ihre Entwicklung wird gefördert.

 

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