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Annette Kriller, Tierärztin
„The Trail Vets“ - Christine Lüthi / Annette Kriller

Praktische Ernährung von Schlittenhunden

Grundsätzliche Gedanken zur Fütterung von Schlittenhunden
Jeder Hundehalter beschäftigt sich zwangsläufig mit dem Was und Wie der Hundeernährung. Für den aktiven Musher ergeben sich dabei einige wesentlich zusätzliche Aspekte:
Schlittenhunde sind Sporthunde, denen eine z.T. erhebliche physische Belastung abverlangt wird. Die Ernährung soll dazu beitragen, ein sportliches Ziel zu erreichen. Dabei muss klar sein, dass ein perfekt ernährter aber falsch oder unzureichend trainierter Hund ebenso wenig in der Lage ist, sein Leistungsmaximum zu erbringen, wie ein nach allen Regeln der Kunst trainierter, aber falsch ernährter Hund.
1. Was kann richtige Ernährung bewirken?
Richtige Ernährung ist unverzichtbare Voraussetzung für das Erbringen einer optimalen Leistung. Die Zusammensetzung der Nahrung hat Einfluss auf
das Gewicht
die Gesundheit / das Wohlbefinden
die Leistungsbereitschaft
die Fellqualität
der Hunde.
2. Beurteilung des Fütterungserfolgs
Anhand dieser Parameter wird der Erfolg der Fütterung beurteilt:
Das Idealgewicht wird anhand des sog. „body condition score“ (bcs) bestimmt. Er wird durch Adspektion und Palpation, also Anschauen und Abtasten des Hundes ermittelt. Es gilt eine Skala von 1 bis 5.
Body Condition Scoring Chart
1 = Mager Rippen, Wirbelsäule, Hüftknochen und alle hervorstehenden Knochen sind auf die Ferne sichtbar. Kein erkennbares Unterhautfett. Offensichtliches Fehlen von Muskelmasse.
2 = Dünn Rippen deutlich fühlbar oder auch sichtbar, kein tastbares Fett. Dornfortsätze der Wirbel sichtbar, Hüftknochen weniger hervorstehend. Deutliche Taille, Bauch „aufgezogen“.
3 = Mittel Rippen fühlbar ohne überflüssiges Fettpolster. Bei seitl. Betrachtung Bauch „aufgezogen“.
4 = Untersetzt Generell mollige Erscheinung. Rippen mit Mühe zu tasten. Sichtbare Fettpolster über der Wirbelsäule und am Schwanzansatz. Bauch gerade.
5 = Dick Ausgedehnte Fettdepots über Brustkorb, Wirbelsäule und Schwanzansatz. Keine Taille vorhanden, Bauch gerade. Fettdepots an Nacken und Gliedmaßen. Abdomen gerundet.
Ein austrainierter Schlittenhund liegt etwa bei 2+ auf der Skala: Die Rippen sollten fühlbar sein, aber nicht herausstehen. Das Gleiche gilt für die Hüfthöcker. Sowohl von der Seite als auch von oben soll eine Taille erkennbar sein. Hunde, die für Langdistanz eingesetzt werden, und das meist bei sehr kalten Temperaturen (Alaska, Skandinavien), haben besser etwas mehr auf den Rippen, vor allem zu Beginn des Rennens. Sie sollten mit einem bcs von 3 zu bewerten sein. Man sollte es sich zur Gewohnheit machen, jeden Hund in regelmäßigen Abständen zu wiegen. Dabei sollten sich möglichst keine größeren Schwankungen ergeben. Ein gesunder, wohlgenährter Hund ist lebhaft, aufmerksam, freundlich und hat glänzende Augen. Bei richtigem Training sollte der Hund freudig leistungsbereit sein und im Verlauf der Saison einen Muskelzuwachs zeigen. Die Fellqualität ist ebenfalls aussagekräftig für den Gesundheitszustand des Hundes. Es sollte dicht, anliegend und glänzend sein. Ohne Schuppen, Stellen mit Haarausfall oder Juckreiz. Außerdem soll es angenehm riechen und der Haarwechsel sollte zügig vonstatten gehen.
3. Welche Anforderungen muss ein gutes Futter erfüllen?
Ein für Schlittenhunde geeignetes Futter muss
gerne gefressen werden
einen ausgewogenen Nährstoffgehalt haben
Rohstoffe hoher Qualität beinhalten
hoch verdaulich und
einfach zuzubereiten sowie
haltbar sein
3.1. Die Auswahl des geeigneten Futters
Von den oben aufgeführten Punkten sind insbesondere der ausgewogenen Nährstoffgehalt, die Art und Herkunft der verwendeten Rohstoffe und damit auch die im Verhältnis zum Volumen bereitgestellte Energie von ausschlaggebender Bedeutung. Betrachtet man Energiebedarf, Futtermenge und Verdaulichkeit, so bietet sich am ehesten ein kommerzielles Trockenfutter als Basis an. Für Langdistanzhunde mit ihrem maximalen Energiebedarf gilt dies umso mehr.
3.1.1. Woran erkenne ich ein geeignetes Futter?
Folgende Informationen lassen sich auf der Verpackung von Futtermitteln finden (verbindliche Regelung innerhalb der EU):
Die Bezeichnung des Produktes, aus welcher der Verwendungszweck (z.B. Allein- oder Ergänzungsfuttermittel) und die Tierart, für die es bestimmt ist, hervorgehen müssen.
Die Gehalte an Inhaltsstoffen
Das Nettogewicht
Das Mindesthaltbarkeitsdatum und die Bezugsnummer der Partie
Hinweise für die sachgerechte Verwendung (soweit diese nicht bereits aus der Bezeichnung hervorgehen) und
Name und Anschrift des für das Inverkehrbringen Verantwortlichen.
Die Bestimmungen der EU sehen vor, dass die durchschnittliche Konzentration bestimmter Inhaltsstoffe in Prozent der ursprünglichen Substanz ausgewiesen werden muss. Diese Inhaltsstoffe sind Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche sowie Feuchtigkeit (Rohwasser), sofern der Gehalt über 14% liegt. Mit Hilfe der Deklaration kann der Nährstoffgehalt verschiedener Produkte verglichen werden. Ein Vergleich der Nährstoffe in der ursprünglichen Substanz (so, wie deklariert) ist aber eigentlich wenig aussagekräftig, denn der entscheidende Punkt ist die Nährstoffaufnahme durch das Tier, d.h. abhängig von der benötigten Futtermenge, die wiederum vom Energiegehalt des Futters abhängt. Dieser darf jedoch nicht deklariert werden. Da zwischen dem Trockenmasse- und Energiegehalt eines Futtermittels eine gewisse, allerdings nicht sehr straffe Beziehung besteht, kann man sich helfen, indem man den Nährstoffgehalt in der Trockensubstanz berechnet. Die für Schlittenhunde in der Regel verwendeten sog. „Trockenalleinfutter“ haben einen Feuchtigkeitsgehalt von max. 12%, d.h. die Deklaration entspricht mit nur einer geringen Abweichung auch dem Nährstoffgehalt in der Trockensubstanz und kann so einen realistischen Anhaltspunkt geben. Auch wenn der Bezug des Nährstoffgehalts auf den Energiegehalt wesentlich genauer wäre, als die Berechnung des Gehalts in der Trockensubstanz, scheitert dies bislang noch an einer geeigneten Methode der Energiebewertung. Die Auswahl des Futters richtet sich zunächst also nach dem Energie- und Nährstoffgehalt. Einen Anhaltspunkt für den Bedarf von Schlittenhunden bei unterschiedlicher Belastung gibt die folgende Tabelle:
Tabelle 1 („Empfohlener Nährstoffgehalt für Sporthunde“, D. Grandjean 1999, S. 140)
Art der Belastung: Erhaltung Kurze Belastung Mittlere Belastung Lange Belastung
Energie (kcal. VE/kg 0,75) 132 150 - 190 200 - 400 400 - 800
Proteine (% i.Tr.) 24 - 27 30 - 35 35 - 40 35 - 40
Fette (% i.Tr.) 5 - 10 20 - 25 20 - 30 30 - 40
Rohfaser (% i.Tr.) 2 - 5 3 2,5  
Daraus ist ersichtlich, dass mit ansteigender Belastung zwangläufig auch der Energiebedarf steigt, und insbesondere der Fettgehalt (als Haupt-Energiequelle) auf Kosten des Rohfasergehalts zunimmt.
3.1.2. Qualität - auf was muss geachtet werden:
Zur Beurteilung der Qualität spielt es eine Rolle, welche Einzelfuttermittel verwendet wurden, d.h. welches die jeweilige Nährstoffquelle ist.
A. Proteine
Die verwendeten Eiweißquellen sollten eine hohe biologische Wertigkeit haben, eine ausgewogene Zusammensetzung an essentiellen Aminosäuren und einen niedrigen Gehalt an kollagenen Fasern (das Verhältnis von Kollagen / Eiweiß sollte 20% nicht überschreiten). Diese Voraussetzungen erfüllt in der Regel Eiweiß aus tierischen Quellen:
• Fleisch (rot oder weiß)
• Fleisch- oder Fischmehl mit mind. 55-60% Eiweiß in der Trockenmasse
• Volleipulver

Wird Fleisch separat zugefüttert, bieten sich an: Rind, fettes Lammfleisch, verschiedene Sorten Fisch, Wild, Biber
B. Fette
Außer, dass Fette die Hauptenergiequelle für den arbeitenden Hund darstellen, sind sie auch die Träger der sogenannten Omega-6 und Omega-3 Fettsäuren, die erwiesenermaßen das Entzündungspotential beeinflussen. Das bedeutet, dass bei einer ausreichenden Menge an Omega-3 Fettsäuren im Futter weniger (Muskel) Entzündungen auftreten werden. Wichtig ist hier aber nicht die absolute Menge an Omega-3 Fettsäuren, sondern das optimale Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 Fettsäuren. Dieses liegt zwischen 5:1 und 10:1. Ausschließlich Omega-3 Fettsäuren zuzugeben hat eher unerwünschte Effekte (z.B. verlängerte Blutungszeit) Wie bei jeglicher Futterergänzung muss beachtet werden, dass die Zugabe von Fett zu einer fertigen Diät zu Imbalancen in der Energieaufnahme, des Oxidationsschutzes und des Fettsäureverhältnisses führen kann.
Geeignete Quellen für Fette sind:
• Speck, Talg, Geflügelfett (langkettige gesättigte Fettsäuren)
• Kokosnussöl, Palmöl (kurz- und mittelkettige Fettsäuren)
• Sonnenblumenöl, Soja, Mais (Omega-6 essentielle FS)
• Gereinigtes Fischöl (Omega-3 essentielle FS) • fettreiches Fleisch wie: Lammfleisch, Rind, Fisch, Huhn (evtl. auch nur die Haut)

C. Rohfaser
Rohfasern werden nur in moderater Menge (ca. 2 - 3% Zellulose im Nahrungsmittel) verwendet, da sie schnell ein zu großes Volumen verursachen und die allgemeine Verdaulichkeit der Ration herabsetzen können.
Rohfaser besteht aus der Gesamtheit der stärkehaltigen Bestandteile, die nach Passage des Dünndarms nicht verdaut sind, wie: Zellulose, Hemizellulose, Lignin, Pektine sowie manche unverdaulichen Proteine wie z.B. Keratin von Federn.
Fasern haben einen wichtigen regulatorischen Einfluss auf die Darmpassage. Außerdem werden Rohfasern durch die Bakterienflora des Dickdarms fermentiert und tragen so zu deren Ausgewogenheit bei. Eine plötzliche Änderung der Rohfaserquelle kann daher ein vorübergehendes Ungleichgewicht der Bakterienflora provozieren. Die Folge ist unkontrollierte Fermentation mit Blähungen und Durchfall.
So wichtig wie Rohfasern für einen gesunden Darm auch sind, haben sie auch unerwünschte Effekte:
einen hemmenden Einfluss auf die Verdaulichkeit von Nährstoffen
evtl. herabgesetzte Verdaulichkeit von Mineralien (durch sog. Phytine).
Deshalb müssen stärkehaltige Nahrungsmittel oder Nahrungsbestandteile sorgfältig nach ihrer Qualität ausgewählt werden und eine spezielle thermische Behandlung erfahren, um keine Dysmikrobie, also ein ungünstiges Bakterienverhältnis im Darm zu verursachen.
BEGRIFFSKLÄRUNGEN
1. Begriffe der Futtermittelanalyse:
Rohwasser: sämtliche bei 103°C flüchtigen Bestandteile des Futters (Wasser, flüchtige Fettsäuren (z.B. Essigsäure, Buttersäure), flüchtige andere Stoffe (ätherischer Öle, Alkohol)
Trockensubstanz: sämtliche bei 103°C nicht flüchtigen Bestandteile des Futters, sowohl organisch als auch anorganisch.
Rohprotein (Rp): kann neben den eigentlichen Eiweißen auch stickstoffhaltige Verbindungen nichteiweißartiger Natur enthalten. (Säureamine, Amide, freie Aminosäuren etc.)
Rohfett (Rfe): Stoffe, die sich in Petroläther lösen. Diese Stoffgruppe (Ätherextrakt) enthält neben den eigentlichen Fetten (Neutralfette), Lipoide (Phospholipide, Steroide, Carotinoide ..) und andere ätherlösliche Stoffe.
Rohasche (Ra): enthält Mineralstoffe (Mengen und Spurenelemente) sowie sonstige anorganische Substanzen. Mit Hilfe der Ra lässt sich der Anteil der organischen Substanz an der Trockensubstanz errechnen. (oS = TS - Ra) Prinzip der Bestimmung: sechsstündige Veraschung der FM im Muffelofen bei 550°C. Die als Rückstand verbleibende anorganische Komponente wird als Ra bezeichnet.
Rohfaser (Rfa): ist der in verdünnten Säuren und Laugen unlösliche fett- und aschefreie Rückstand. Er enthält unlösliche Anteile von Zellulose, Pektinen, Lignin und andere Zellwandstoffe.
2. Weitere Begriffe
Zellulose: Stärke aus in bestimmter chem. Weise gebundenen Glucose-Molekülen. Vorkommen als sog. Strukturkohlenstoff v.a. in jüngeren Pflanzen. Säugetiere haben kein Enzym zur Spaltung von Zellulose. Wiederkäuer verdauen es Mithilfe der Bakterien in Pansen.
Glycogen: tierischer Speicherkohlenstoff aus Glucose. In der Leber (ca. 10%) und im Muskel (0,5 - 1%). Reicht höchstens, um den energetischen Erhaltungsbedarf für 1 Tag zu decken
Lignin: gehört nicht zu den Kohlenstoffen. Entsteht bei der Verholzung von Pflanzen, unverdaulich.
Phytin: Phytinsäure, kommt in Getreideschalen vor.
Fettsäuren: Nahrungsfette setzen sich aus Glycerin und Fettsäuren zusammen. Bei den Fettsäuren sind dabei überwiegend Stearinsäure, Palmitinsäure und Oleinsäure beteiligt. Unterteilt werden Fettsäuren in gesättigte (hierbei sind so viele Wasserstoffatome enthalten, wie es nach den Gesetzen der chemischen Bindung möglich ist) und ungesättigte Fettsäuren. Ungesättigt bedeutet, dass die Fettsäuren zwischen 2 und 8 Wasserstoffatome weniger haben als die gesättigten. Dabei sind Fettsäuren mit 2 Wasserstoffatomen weniger „einfach ungesättigt“ und solche mit 4 bis 8 Atomen weniger „mehrfach ungesättigt“. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren werden auch Polyensäuren genannt. Die gesättigten Fettsäuren unterscheidet man je nach Molekülgröße in kurz-, mittel- und langkettige Fettsäuren. Die gesättigten Fettsäuren und einige ungesättigte Fettsäuren kann der Körper selbst aufbauen oder aus Kohlehydraten umbauen. Polyensäuren kann der Körper nicht aufbauen, sie müssen über die Nahrung zugeführt werden. Man spricht dabei von essentiellen, also von lebensnotwendigen Fettsäuren. Dazu gehören außer Linolsäure auch Linolensäure und Arachnidonsäure.
Biologische
Wertigkeit:
Der Wert von Nahrungsproteinen wird durch die verfütterte Menge, die Verdaulichkeit und durch das Aminosäure(AS)-Muster bestimmt. Intermediäre Verfügbarkeit und Verhältnis der AS zueinander werden durch die biologische Wertigkeit des Proteins charakterisiert. Die Biologische Wertigkeit gibt an, wie viel Gramm körpereigenes Eiweiß aus 100 Gramm Nahrungseiweiß gebildet werden kann.
Kollagen: ist ein tierisches Eiweiß und ist in Schwarten, Knorpel, Knochen und Haut enthalten. Kocht man diese tierischen Produkte, löst sich Kollagen und geht in das Wasser über. In gereinigter und getrockneter Form ist Kollagen als Gelatine bekannt.
4. Praktische Fütterung
Die Ernährung sollte genau der Entwicklung des Trainings angepasst sein:
• Ruhephase: Erhaltungsfuttermittel hoher Qualität angepasst an die Größe und den individuellen Bedarf des einzelnen Hundes
• Trainingsphase: langsamer Übergang zu einer „Arbeitsration“ (ca. 1 Woche Übergangsphase bei jedem Wechsel) oder zunehmende Zufütterung eines Ergänzungsfuttermittels zum Erhaltungsfutter
• Rennphase: Der hinzukommende Stress erfordert, das Futter weiter zu ergänzen. Die Menge des Futters ergibt sich aus dem Gewicht des einzelnen Hundes und muss individuell angepasst werden. (Kontrolle!)
• Abtrainingsphase: langsamer Übergang zurück zum Erhaltungsfutter.
Manche finden es immer noch am einfachsten, die tägliche Ration im Verhältnis zum ansteigenden Energiebedarf zu erhöhen, ohne die Futterzusammensetzung zu ändern. Das bedeutet, dass keine gezielte Anpassung der Ernährung stattfindet, das Resultat ist eine geringere Leistung. Wesentlich effektiver ist eine der folgenden Lösungen:
1.
Das Basisfutter (zur Deckung des Grundbedarfs) wird das ganze Jahr über beibehalten und im Laufe der Trainings- und Rennphase angemessen ergänzt.
In diesem Fall wäre ein Futter der Sorte 25/10 (25% Proteine und 10% Fett, bezogen auf das Rohfutter, also ca. 27% Proteine und 11% Fett in der Trockensubstanz) mit einer sehr guten Verdaulichkeit (Optimum: 50 g Kot auf 100 g aufgenommenes Futter) geeignet. Behält man dieses Futter als Basis das ganze Jahr über bei, kann in der Trainings- und dann der Rennphase über zusätzliche Fleisch- oder Fischfütterung der erhöhte Bedarf gedeckt werden. Bei kurzen Anstrengungen (Sprint) verwendet man eher mageres, für lange Distanzen eher fettes Fleisch oder Fisch. In der Hauptsaison wird man auf diese Weise allmählich zu einer Ration von 1/4 bis 1/3 Trockenfutter und 3/4 bis 2/3 Fleisch oder Fisch gelangen. Außerdem müssen angemessen Vitamine und Mineralien zugefüttert werden.
2.
Das Basisfutter wird nur während des Sommers verwendet. Es muss qualitativ hochwertig sein und wird allmählich mit zunehmender Trainingsintensität durch ein spezielles Futter ersetzt. Der Übergang zu einem anderen Futter sollte immer 3-7 Tage betragen

Die Art des Spezialfutters richtet sich nach der Dauer und Intensität der Belastung. Für Sprint- und Mitteldistanzen eignet sich ein Futter mit dem Verhältnis 30-32 / 22 - 25 (% Proteine/Fett), für Langstrecke eher eines mit einem Protein/Fett Verhältnis von 35 / 30%. Hier ist wiederum eine hohe Verdaulichkeit von besonderer Bedeutung, damit das Volumen während der Darmpassage und entsprechend das Kotvolumen gering gehalten werden kann. Die Futtermenge muss dem Gewicht des einzelnen Hundes angepasst werden. Für die meisten Schlittenhunde ist ein solches Futter in der Trainingsphase und bei kleinen Gespannen (3-6 Hunde, kürzere Strecke) auch während der Rennsaison ausreichend. Bei höheren Anforderungen/längerer Strecke müssen auch bei dieser Spezialdiät Proteine und Fette, sowie Minerale und Vitamine zugefüttert werden.
4.1. Praktische Durchführung der Fütterung
Neben der Auswahl des richtigen Futters und der angepassten Zufütterung von Ergänzungsfuttermitteln, erfordert die richtige Ernährung eines Schlittenhundes auch die Berücksichtigung einiger Aspekte bei der praktischen Durchführung. Dazu gehören z.B.
die Minimierung von stressinduzierten Durchfällen,
die Bereitstellung der benötigten Energie exakt zum richtigen Zeitpunkt,
Die Aufrechterhaltung des Hydratationszustands, also des optimalen Wasserhaushalts.
So ist es ratsam, die Hunde nie direkt vor einer Anstrengung zu füttern und zu versuchen, die tägliche Ration auf mehrere Gaben zu verteilen. Diese Art der Fütterung ist der einmaligen Gabe einer voluminösen Ration vorzuziehen. Am besten bereitet man einen Hund vor, indem man ihm ein Viertel (bei kurzer Belastung) bis zu einem Drittel der Tagesration mindestens 3 Stunden vor der Belastung gibt. Damit ist der Magen wieder leer, bevor die Belastung beginnt. Diese vorbereitende Ration sollte sehr flüssig sein (3 - 4 x soviel Wasser wie feste Nahrung), damit der Hund die durch die Arbeit entstehenden Wasserverluste ausgleichen kann. Durch den größeren zeitlichen Abstand von Fütterung zu körperlicher Beanspruchung wird der durch ein Insulinhoch kurz nach der Mahlzeit ausgelöste Leistungseinbruch verhindert. Untersuchungen haben gezeigt, dass ein Trockenfutter, dessen “Körner” bei Zugabe von Wasser ihre Form behalten und nicht aufquellen, oder zu Brei werden, am besten verdaulich und am wenigstens belastend für den Verdauungsapparat des Hundes ist. Etwa 2 Stunden nach der Belastung sollte der Rest der täglichen Ration verabreicht werden. Unter den besonderen Bedingungen von Etappen- oder Langdistanzrennen kann (muss) dies auch früher stattfinden, um einen Stressdurchfall am nächsten Tag zu verhindern. Wichtig ist außerdem, die Hunde unmittelbar nach Ende der Belastung zu wässern. (s. Punkt 5)
4.2. Auffüllung der Glycogenspeicher

Effekt von Glucose-Supplementierung nach Belastung im Vergleich zu Gabe von Wasser auf die Glycogen-Resynthesefähigkeit des Muskels

Glycogen ist die Speicherform von Glucose in Muskel und der Leber und besteht aus Ketten von 25 oder etwas weniger Glucose-Molekülen. Diese Speicher stellen „schnelle Energie“ aus der sog. anaeroben Energiegewinnung bereit und werden vor allem bei kurzen intensiven Belastungen benötigt, z.B. in den ersten 5 Minuten eines Rennens oder bei einem kurzen Stück bergauf.
Diese Speicher sind sehr limitiert und ihre Entleerung führt zu einer Leistungseinbuße, auch wenn die Belastung im Ausdauerbereich liegt. Langstreckenläufer beispielsweise laufen langsamer und empfinden größere Müdigkeit, wenn es nicht gelingt, bei einem mehrtägigen Event die Glycogenspeicher wieder vollständig aufzufüllen.
Normalerweise ist die Verarbeitung und Speicherung von Glucose im Körper insulinabhängig. Während und kurz nach körperlicher Belastung, unabhängig von deren Intensität, wird jedoch ein spezielles Glucose-Transportenzym mobilisiert, welches den Speicherprozess erheblich beschleunigt. Diese Mobilisierung dauert bis etwa 30 min nach Ende der Belastung an. Der Prozeß der insulinabhängigen Speicherung ist viel langwieriger und der Körper ist unter Umständen nicht in der Lage, die Speicher bis zur nächsten Belastung vollständig wieder aufzufüllen.
Untersuchungen haben gezeigt, dass Hunde, denen eine „normale“ Mahlzeit direkt nach Beendigung einer geeigneten Belastung gefüttert wurde, selbst nach 24 Std. ihre Glycogenspeicher nur zu 65% auffüllen konnten, während andere, denen sofort ein spezieller energiereicher „Drink“ angeboten wurde, nach 4 Std. bereits 88% und nach 24 Std. die Glycogenspeicher nahezu vollständig wieder aufgefüllt hatten.

Das bedeutet geringere Leistungsfähigkeit für Hunde, die an aufeinanderfolgenden Tagen laufen müssen, beispielsweise Sprinthunde, aber auch eine geringere Leistungsbereitschaft für Hunde im Ausdauerbereich, also Langstreckenrennen. Denn die Fähigkeit und der Willen, eine Leistung zu erbringen, ist ebenfalls abhängig von der Füllung der Glycogenspeicher. Hierdurch wird die Fortsetzung des Rennens limitiert, bis die Hunde ihre „Energie zurückgewonnen“ haben.
Leistungsbereitschaft ist abhängig von Füllung der Glyogenspeicher!
Daraus ergibt sich, dass es vorteilhaft ist, den Hunden gezielt Glucose anzubieten, und zwar unmittelbar nach Ende der Belastung, bis max. 30 min danach.
4.2.1. Methoden der Supplementierung
Zunächst erscheint es als das bequemste, sog. „Einfachzucker“ wie Kristall- oder Traubenzucker zu geben, da dieser überall erhältlich und leicht mitzuführen ist. Das Problem ist, dass diese Zucker hydrophil, also wasseranziehend sind und dadurch zu Durchfällen mit oder ohne Dehydratation führen können. Die effektivste Methode, die Glycogenspeicher wieder aufzufüllen ist über die Gabe von modifizierter Stärke, sog. Maltodextrin (Stärkezucker). Maltodextrine sind kleinere Traubenzuckerketten, die sehr leicht verdaulich, aber kaum süß sind. Stärkezucker wird schnell vom Körper aufgenommen und in den Muskel transportiert, ohne die gastrointestinalen Nebenwirkungen, die z.B. bei Einfachzuckern zu beobachten sind. Die empfohlene Dosierung ist 1,5 g Maltodextrin/kg Körpergewicht (Maltodextrin 6 oder 19 Pulver in der Apotheke, 750 g um die 8,- €; in USA: Glycocharge = Maltodextrin und Zusatzstoffe). Dies wird mit Wasser angerührt und den Hunden innerhalb der ersten 30 Minuten nach Ende der Belastung angeboten.
Glycogenspeicher auffüllen: Innerhalb von 30 min nach Belastung 1,5 g Maltodextrin/kg Körpergewicht in Wasser angerührt geben!
Viele Musher helfen sich übrigens auch mit Reisstärke in Form einer Suppe aus sehr lang weich gekochtem Reis, bei dem die enthaltene Stärke weitgehend “aufgeschlossen” ist, also aus langkettigen mittelkettige Moleküle geworden sind. Hier ist es nur mit der Dosierung schwieriger. Bei Berücksichtigung all dieser Punkte für die richtige Fütterung ist aber auch vor allem eins nicht zu vergessen:
5. Wasser
Wasser ist für sich allein das lebenswichtigste Nahrungsmittel für Sporthunde bzw. jedes andere Tier. Während Tiere auch bei Verlust nahezu allen Körperfettes und über der Hälfte des körpereigenen Proteins noch zu Überleben in der Lage sind, stellt eine Dehydrierung von 10% des Körperwassers einen lebensbedrohlichen Zustand dar.
Schon eine Dehydrierung von 10% des Körperwassers ist lebensbedrohlich!
Der Wasserumsatz bei Schlittenhunden ist außergewöhnlich hoch, aufgrund der erhöhten Wasserausscheidung durch Urin und über die Atmung.
Der Wasserverbrauch durch die Atmung steht in direktem Zusammenhang zu Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit sowie zur Atemfrequenz und Ventilationsrate. Je trockener und kälter die Außentemperatur und je intensiver die Belastung ist, desto höher wird der Wasserverlust sein. Das gilt aber auch für hohe Belastung in wärmerer Umgebungstemperatur, da hier die notwendige Temperaturregulierung über Hecheln erfolgt.
Wasserverlust über den Urin ist direkt abhängig von dem Gehalt an löslichen Stoffen in der Diät. Je höher der Proteinanteil und je mehr Kalorien die Diät enthält, um so höher ist der Wasserverlust über den Urin.
Eine Untersuchung beim „Copper Basin 300“, einem Miteldistanzrennen in Alaska, ergab einen täglichen Wasserumsatz der arbeitenden Hunde von etwa 5 Litern. Diese Hunde wogen im Schnitt 24,2 kg, absolvierten die 490 km in durchschnittlich 70 Stunden und hatten einen mittleren Verbrauch von 890 g Protein und 750 g Fett auf 24 Stunden. Die mittlere Umgebungstemperatur rangierte zwischen -10 und -35 °C.
Der tägliche Waserumsatz eines durchschnitttlichen Mitteldistanzhundes beträgt etwa 5 Liter unter Belastung bei kalten Außentemperaturen!
Dehydrierung wird besonders bei Langdistanzrennen schnell zu einem Problem. In kalter Umgebungstemperatur kann es innerhalb von 12 Stunden zu einer relevanten Dehydrierung kommen. Dies ist meist die Folge aus der Nahrungsverweigerung des müden oder gestressten Hundes, evtl. zusätzlich verstärkt durch erhöhten Wasserverlust durch (meist stressbedingte) Durchfälle. In diesem Fall muss unbedingt darauf geachtet werden, daß die Wasseraufnahme erhöht wird. Ggf. muss die Pause verlängert werden, bis der Hund weder bereit ist, etwas zu sich zu nehmen. Ist der Hund einmal dehydriert, ist zumeist gleichzeitig das Durstgefühl unterdrückt, und das Problem wird verschlimmert.
Nachdem der Wasserumsatz bei Sporthunden bis zu 5mal so hoch ist, wie beim normalen Haushund, sollte schon im Training spezielles Augenmerk darauf gelegt werden, daß die Hunde gerne und möglichst, wann immer es angeboten wird, saufen! So kann sichergestellt werden dass sie auch im Rennen adäquate Mengen an Wasser über die Nahrung oder als Trinkwasser aufnehmen!
Saufen muß trainiert werden - (dies gilt vor allem für die Hunde ...)
Energiebereitstellung in Abhängigkeit von der Belastungsintensität Aerobe Leistung: Diejenige Leistung, bei der die über die Atmung aufgenommene Sauerstoffaufnahme ausreicht, um die benötigte Energie im Arbeitsmuskel zu decken. (Ausdauerleistung, „steady-state“)
Anaerobe Leistung: Energiegewinnung ohne Sauerstoff durch Abbau von körpereigenen Energiereserven. V.a. Glykogen (Kohlenhydratspeicher), z.B. bei Sprints, unter Bildung von Milchsäure (Laktat). Je nach Belastungshöhe gewinnt der Körper die umzusetzende Energie aus verschiedenen Quellen. Es werden vier Arten der Energiebereitstellung unterschieden. In Bezug auf die anaerobe Schwelle können wir drei Situationen unterscheiden:
Bei einer Belastung unterhalb der anaeroben Schwelle läuft die Energiebereitstellung zwar nicht ausschließlich unter Verstoffwechselung von Sauerstoff, also „aerob“ ab, doch ist der Anteil der anaeroben Verstoffwechselung so gering, dass durch die jeweils vorhandene (beim trainierten Sportler besser ausgeprägte) Fähigkeit zum schnellen Laktatabbau der „steady state“ (vgl. oben) aufrecht erhalten werden kann. Eine Ausdauerleistung kann hier sehr lange aufrecht erhalten werden, z. B. bei einem Marathonlauf.
Eine Belastung an der anaeroben Schwelle ist die relativ höchste Belastung, die langfristig durchgehalten werden kann. (Die Glykogen-Reserven sind allerdings bei intensiver Dauerbelastung je nach Trainingszustand nach 60 bis 90 Minuten weitgehend erschöpft.)
Bei einer Belastung oberhalb der anaeroben Schwelle erfolgt ein wesentlicher Teil der Energiebereitstellung „anaerob“. Es kommt zu einem die Leistung beeinträchtigenden Milchsäureanstieg (Laktat), so daß die Leistung nur kurzfristig (etwa wenige Minuten) durchzuhalten ist. Für die Erbringung der der Wettkampfsituation entsprechenden Leistung hat die Fähigkeit, über anaerobe Verstoffwechselung zusätzlich kurzfristig Energie bereit zu stellen, dennoch eine hohe Bedeutung (sog. Attacken im Radsport, in jüngster Zeit auch beim 5.000- und 10.000-m-Lauf). Neben der Nutzung der Kreatinphosphatreserven ist die anaerob-laktazide Verstoffwechselung die einzige Möglichkeit, Leistungen zu erbringen, die höher liegen, als die, die der maximalen Sauerstoffaufnahmefähigkeit pro Zeiteinheit (äußere Atmung) entspricht. Da das Laktat später wieder unter erhöhter Sauerstoffzufuhr abgebaut werden muss und Kreatinphosphat wieder aufgebaut wird, spricht man in diesem Zusammenhang auch davon, daß eine „Sauerstoffschuld“ eingegangen wird.