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Babesiose, Piroplasmose - eine Zoonose des Hundes |
Der Tierarzt in Mitteleuropa wird bedingt durch erleichterte Reisebedingungen und Massentourismus immer öfter mit aus Mittelmeerländern oder den Tropen eingeschleppten Infektionskrankheiten konfrontiert. Zu diesen Erkrankungen gehört die Babesiose, Piroplasmose.
Babesiosen kommen weltweit vor, besonders aber in den Tropen und im Mittelmeerraum. Es gibt kleine lokal begrenzte Herde in Norditalien, Ungarn, der West- und Südschweiz, in der Region um Basel und in Frankreich.
Bereits 1980 wiesen DENNING et. al. (1980) auf die Möglichkeit einer Endemisierung in Deutschland hin.
Die Babesiose des Hundes wird durch Babesia canis (Einzeller, Protozoen) verursacht. Seltenere Infektionsquellen für Hunde sind Babesia gibsoni oder Babesia vogeli.
In der Schweiz und Deutschland wurden laut den Untersuchungen von JAQUIER (1973) und DENNING et al. (1980) nur Babesia canis nachgewiesen. |
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Entwicklung und Artenmerkmale |
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Babesia canis wird durch folgende Zecken währen des Saugaktes übertragen: |
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In Europa (incl. nördl. Mittelmeer) - Dermencalor relicularis und Rhipicephalus sanguineus, wenn diese Art eingeschleppt wurde. |
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Subtropen, Ägypten - Rhipicephalus sanguineus |
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Afrika, südliche Sahara und Indien: Haemaphysalis leachi |
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Der Erreger vermehrt sich beim Hund durch Zweiteilung ausschließlich in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Innnerhalb von zwei Wochen entstehen die für die Parasitengruppe namensgebenden birnenförmigen Stadien (Piroplasmen).
Diese Stadien bleiben auch nach überstandener Krankheit jahrelang im Blut nachweisbar. Babesia-Arten gehen in der weiblichen Zecke auch auf die Eier über, so dass bereits die Zeckenlarven die Infektion weiter verbreiten können. |
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Verbreitung |
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Die Zecken übertragen beim Stich und während des Saugaktes mit dem Speichel zahlreiche Sporozoiten (Entwicklungsstadien), die direkt in die roten Blutkörperchen eindringen und sich dort rasant vermehren.
Eine direkte Infektion von Hund zu Hund oder vom Hund zum Menschen ist nicht möglich. Die Zecke bleibt der Übertragungsvektor. |
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Symtome der Babesiose |
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Das Erkrankungsbild richtet sich nach dem Schweregrad des Verlaufes, der alle Formen von latent, subakut, akut oder chronisch aufweisen kann.
Der akut erkrankte Hund ist in seinem Allgemeinbefinden stark beeinträchtig. Er zeigt Apathie, Mattigkeit, Fieber bis 42 Grad C, blasse bis gelbliche Schleimhäute, rot bis grünbrauner Urin, Leber- und Milzvergrößerung, sowie Anämie.
Der chronische Verlauf ist gekennzeichnet durch unauffällige Symptomatik. Die Anämie (Blutarmut) bleibt erhalten. Es werden zerebrale Schädigungen beschrieben, die sich in Lähmungen, Bewegungsstörungen und auch in epileptischen Anfällen äußern. |
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Diagnose |
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Gründlichste Anamnese, mikroskopischer Nachweis des Erregers im Blutausstrich (Kapillarblut von der Ohrunterseite oder aus dem Nagelbett). Ein negativer Befund schließt eine Babesieninfektion nicht aus (chronischer Fall, symptomloser Träger). Für solche Fälle empfiehlt sich eine serologische Untersuchung (FAT oder ELISA-Test) in einem Speziallabor. |
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Inkubationszeit |
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Variabel zwischen 9 Tagen und 3 Wochen. |
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Prophylaxe |
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a) |
Meiden von Endemiegebieten |
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b) |
Tragen von Ungezieferhalsbändern oder Verwenden von Zekkenschädigenden Ektoparasitenmitteln (Sprays, Pour on wie z.B. Frontlinespray, Kardoxzeckenbänder, Bolfozeckenbänder, Expot usw.) mit Wirkstoffen wie Fipronil oder Carbanil. In Frankreich steht mit „Piradog“ von der Firma Merial eine inaktivere Erregervakazine zur Vorbeuge zur Verfügung, die aber in Deutschland nicht registriert ist. |
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Therapie |
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Es gibt in Deutschland zum aktuellen Zeitpunkt kein Präparat, welches zur Behandlung einer Babesioseerkrankung des Hundes registriert ist.
Alle bekannten Therapeutika zeigen teilweise schwerwiegende Nebenwirkungen, z.B. starken Blutdruckabfall, Schädigung von Leber und Niere, Neurotoxität, sowie nicht kalkulierbare Mortalität.
Im Falle eines akuten und lebensbedrohlichen Infektionsverlaufes ist der Nutzen und das Risiko einer Behandlung abzuwägen.
Über die internationale Apotheke hat der Tierarzt die Möglichkeit auf vorhandene Medikamente für diese Therapie zurückgreifen. Dabei muss darauf hingewiesen werden, dass der Besitzer eine solche Behandlung auf eigene Gefahr gestattet.
Für eine kausale Therapie gelten folgende Präparate: |
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a) |
IMIDOCARB (-dipropionat = Imizol® Coopers) |
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b) |
DIAMINAZEN (aceturat = Berenil®) |
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c) |
PHENAMEDIN (isethionate = Oxopirvedine Merial). |
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Gerade die Babesioseinfektion zahlreicher Schlittenhunde Anfang April bei einem Wagenrennen in Bischweiler/Frankreich, bei der zahlreiche Hunde durch eine Zekkeninvasion in einem bestimmten Bereiches des Stake out Platzes befallen wurden, kurze Zeit später erkrankten und teilweise starben, deutet noch einmal verstärkt auf die Bedeutung hin. Heute muss man im Zuge großer Mobilität überall in Mitteleuropa mit einer derartigen Infektion rechnen und bei unklarer Symptomatik auch eine Diagnostik in diese Richtung betreiben.
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